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Die Schule ist hin
Vor einem Jahr: Am 2. Juni brannte das Schulzentrum Neckargemünd vollständig ab, bald liegen die Gutachten auf dem Tisch
Bis zu 30, 40 Meter hoch loderten die Flammen, die aus dem Schulzentrum in Neckargemünd schlugen. Fatal für die Feuerwehrleute, daß die Flammen im Nu vom Gymnasiumsteil auf den Realschulteil übersprangen. Wäre der Brandschutz ausreichend gewesen, hätten sich die Flammen nicht so überraschend schnell ausbreiten können.
Direkt unterhalb des Schulkomplexes war eine Großbaustelle an der Strecke des Bahn. Hier wurden mit schweren Maschinen Befestigungslöcher in den Berg hineingebohrt – vorbereitende Arbeiten für den neuen Tunnel.
Ein Teil der Schulhefte blieb von den Flammen verschont. Allerdings wurden fast alle Computer ein Raub der Flammen.
Es wurde so heiß, daß sogar der Bitumen auf dem Dach Feuer fing und durch die Oberlichter heruntertropfte und in den unteren Räumen alles Brennbare anzündete.
Bei diesem Bild aus luftiger Höhe sieht man deutlich, wie das verheerende Feuer zuerst vom rechten Gebäudeteil, in dem das Gymnasium untergebracht war, auf die benachbarten Teile übergriff. Wären die einzelnen Gebäude korrekt in verschieden abgetrennte Brandschutzzonen eingeteilt gewesen, hätte das Feuer keine Chance gehabt, so schnell den gesamten Schukkomplex zu vernichten.
Zuerst war es nur eine Rauchsäule, etwas mächtiger zwar als ein normales Feuer, aber noch nicht sonderlich besorgniserregend. Nur ein kleines Feuer, das bald im Griff war, dachte so mancher. Erst als die Rauchschwaden nicht abnahmen, sondern immer mächtiger wurden, ahnten viele in Neckargemünd, daß da etwas nicht mehr stimmte.
Das Dach der Schule war in Brand geraten. Schweißer sollten ein neues Blechdach aufsetzen, mit Bitumen abdichten. Funken haben die darunterliegenden Schichten des Daches entzündet. Doch die Arbeiter bekamen den ursprünglich kleinen Brand nicht unter Kontrolle.
Was so klein und harmlos begann, sollte sich zu einem der größten Brände in der Stadt am Neckar ausweiten. Am Schluß war das gesamte Schulhaus zerstört worden: Akten vernichtet, Computer zerstört, Lehrmaterialien verbrannt.
Die Hitze ließ sogar Gasflaschen detonieren
Die ersten Feuerwehrleute sind rasch zur Stelle: Doch allein sind sie machtlos und rufen rasch nach Verstärkung. Doch es kostet Zeit, endlose Zeit, bis die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr von ihrem Arbeitsplatz in das Feuerwehrhaus und dann zum Einsatzort kommen konnten.
Zeit, in der sich das Feuer unbarmherzig durch die Zimmer frißt, sich über das Dach in Windeseile auf die oberen Stockwerke ausbreitet, zusätzlich angefacht durch einen kräftigen Wind. Im Chemieraum detonieren mit lautem Knall mehrere Gasflaschen.
Höchste Alarmstufe für die Feuerwehrleute. Sie wissen nicht, ob noch mehr Flaschen in der ungeheuren Hitze explodieren.
Sie versuchen sich durch ein Treppenhaus nach oben zu kämpfen. Schwerer Atemschutz, Schläuche im Schlepptau, immer die Betonkonstruktion im Blick: Hält sie noch oder droht sie zusammenzubrechen?
Beton schmolz
Hinterher sehen sie, daß die Hitzeentwicklung so stark war, daß sogar der Beton schmolz. Er wurde brüchig, platzte, gab an verschiedenen Stellen die Stahlarmierung frei. Betonplatten, ursprünglich nahtlos aneinandergefügt, reißen. Die Feuerwehrleute haben einen schwierigen Stand: innen im Gebäude volles Rohr auf Türen und Wände halten, außen auf die Dächer Wasser schießen lassen.
Aber das städtische Wassernetz gibt nicht so viel Wasser her, wie gerade benötigt wird. Für solche Einsätze ist es nicht ausgelegt. Von weit her verlegen die Feuerwehren in Windeseile Wasserschläuche, zapfen sämtliche Hydranten in der Umgebung an.
Doch bald brennt der Gymnasiumsteil vollständig. Die Feuerwehrleute versuchen, den direkt angrenzenden Realschulteil zu retten. Doch auch er brennt bald lichterloh.
Es finden gerade Arbeiten an der Eisenbahnstrecke unterhalb der Schule statt. Bohrungen sollen in den Berg getrieben werden. Vorsichtshalber wurden hier die Wasserleitungen abgeschaltet, damit sie nicht beschädigt werden. Doch jetzt, wo das Wasser dringend benötigt würde, fließt nichts. Trocken, stillgelegt aus Sicherheitsgründen.
Sie versuchen, Wasserleitungen zum Neckar aufzubauen. Schließlich gelingt es, die Flammen zu besiegen. Im Einsatz: 24 Feuerwehren mit rund 60 Fahrzeugen und 350 Feuerwehrleuten.
Es sind gerade Ferien
Glücklicherweise sind gerade Schulferien. Doch Abiturprüfungen stehen an. Und viele Unterlagen sind vernichtet.
Später wird sich herausstellen, daß der Brandschutz nicht ausreichend war. Sonst hätte das Feuer in einzelnen Abschnitten des Gebäudes gehalten werden können.
Ungewöhnlich schnell, so stellen später die Experten fest, hätte sich daher der Brand ausgebreitet.
Fest steht jetzt, daß ein Teil der Gebäude abgerissen werden soll, Teile der Realschule können jedoch stehen bleiben und saniert werden. Das ist ein Ergebnis der arbeitsintensiven Untersuchungen der Gutachter.
25 Millionen Euro Schaden
Anfang April dieses Jahres kam ein vorläufiger Schadensbericht heraus, in dem die voraussichtliche Schadenssumme von der Versicherung festgelegt wurde. Sie beläuft sich 25,1 Mio Euro. Ein endgültiges Gutachten liegt jedoch noch nicht vor, es soll Ende Juni kommen. Bis dahin sind der Gemeinde die Hände gebunden.
Die Stadt Neckargemünd ist aber nach Aussage des Stadtbaumeisters Hennig Saalbach sehr daran interessiert, die Planung auf den Weg zu bringen und die Schule wieder aufzubauen.
Bezahlt wird von der Versicherung jedoch nur die Summe, die notwendig ist, um die Schule so aufzubauen, wie sie war. Es liege jedoch im Interesse der Stadt, sagte Saalbach dem Rhein-Neckar-Boten, die Schule auf den neusten Stand der Schultechnik zu bringen.
Unabhängig von dem Gutachten der Versicherung hat die Stadt in Eigenregie inzwischen eine Ausschreibung für die Abbrucharbeiten aufgegeben.
Nach den Plänen der Stadt soll der Abbruch der nicht mehr verwendbaren Gebäudeteile noch dieses Jahr erfolgen, so Hennig Saalbach. In der Sommerpause soll dann mit den Planungen für den Neubau begonnen werden, so daß entweder im Winter oder spätestens im kommenden Frühjahr die Baumaschinen anrollen können.
Bis dahin findet der Unterricht weiter in Containern statt. Eine Lösung, die sich offensichtlich bewährt hat, denn Klagen gab es kaum, weder von Schülern noch von Lehrern.
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